• Wenzel-Jaksch-Preis 2016: Dankesrede des Preisträgers Petr Vokrál

    Unsere Völker haben seit Jahrhunderten nebeneinander gelebt, in guten und in schlechten Zeiten. Wir haben einander geachtet und nachbarschaftliche und familiäre Beziehungen aufgebaut. Ungeachtet dessen, ob jemand Tscheche oder Deutscher war. Die Grauen des Zweiten Weltkrieges und die Ereignisse unmittelbar danach zerstörten für Jahrzehnte die zwischenmenschlichen Beziehungen und hinterließen Wunden, die zu heilen sind.
    Ich stehe hier aber nicht, um die Geschichte zu analysieren und schon gar nicht, um irgendjemandem irgendeine Schuld zuzuschieben. Was ich sagen will ist, dass es zu jeder Zeit außergewöhnliche Menschen gibt, die sich dem Zwang der Mehrheit nicht beugen und die bereit sind, auch um den Preis ihres eigenen Lebens, ihre Anschauung zu verteidigen. Ein solcher Mensch war auch Wenzel Jaksch. Ein Mann, der sich ein Leben lang bemühte, einen gemeinsamen Weg für unsere beiden Völker zu finden. Es ist eine große Ehre für mich, dass ich hier heute stehen darf, um seiner zu gedenken und aus vollem Herzen zu erklären, dass Tschechen und Deutsche für mich indes Freunde sind.
    20160618_wjp_rede_2016Heutzutage ist es mehr als offensichtlich, wenn wir in einem gemeinsamen und zusammenhaltenden Europa miteinander leben sollen, müssen wir Herausforderungen begegnen können, die sich aus der heutigen Weltlage ergeben. Dafür aber müssen wir Partner ohne gegenseitige Vorurteile sein mit Zuversicht und mit vollem Respekt. Leider scheint es mir zuweilen, dass uns, auf unserer Seite, 40 Jahre des demokratischen Reifeprozesses fehlen, wegen des Kommunismus. Dieses hat unsere Situation nicht vereinfacht und die Schritte zur Versöhnung auch verzögert. Umso mehr schätze ich die Anregungen junger, unbelasteter Menschen, die das gesamte Projekt des Jahres der Versöhnung mit Begeisterung umgesetzt haben. Dafür will ich ihnen von ganzem Herzen danken. Es ist nicht das Ziel von Veranstaltungen wie dem Jahr der Versöhnung, in alten Wunden zu stochern, ganz im Gegenteil. Viele Wunden wurden mit der Zeit geheilt, ein Unrechtsgefühl bleibt aber manchmal ein Leben lang präsent. Und dabei könnte vielleicht ein schlichter Ausdruck des Bedauerns zur Versöhnung genügen. Selbiges gilt wohl auch für ein kurzes: „Es tut mir leid!“ Wir wollen auf diese Weise zeigen, dass wir bereits gereift sind, wir begreifen, dass Gewalt keine Lösung ist und dass Rache kein einziges verlorenes Leben zurückbringt. Unsere Lösung, welche die letzten Wunden zwischen Tschechen und Deutschen endgültig heilen kann, ist die gemeinsame Zukunft voll Toleranz und Verständnis. Eine Zukunft, in der es keinen Platz für Rassismus, Extremismus und Hass gibt.
    Lassen sie mich mit einem herzlichen Dank an sie, die traditionelle Gesinnungsgemeinschaft der deutschen Sozialdemokraten in der Ersten Tschechoslowakischen Republik, schließen. Es ist mir eine große Ehre und eine hohe Würdigung, nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die ganze Stadt.

    Petr Vokrál


  • Verleihung des Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreises, Bayerischer Landtag (18.06.2016)

    „Gemeinsame Zukunft voller Toleranz und Verständnis!“ Diese Worte des Brünner Oberbürgermeisters hätten als Überschrift über seinen Ausführungen anlässlich der Verleihung des diesjährigen Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreises im Rahmen des Vertriebenenempfangs der BayernSPD am 18. Juni im Plenarsaal des Bayerischen Landtags in München stehen können. Primator Petr Vokrál hatte die Auszeichnung für seine und für die Bemühungen seiner Stadtratsfraktion erhalten, 70 Jahre nach dem schrecklichen Zwangsmarsch der deutschen Bevölkerung von Brünn an die österreichische Grenze einen Neuanfang in den gegenseitigen Beziehungen zu wagen und in einer Versöhnungserklärung zu dokumentieren. Es war die Absicht der SG und der Preisjury, das aufrichtige und in unserem Nachbarland noch immer schwierige und politisch riskante Engagement der Brünner politischen Führung für einen aufrichtigen deutsch-tschechischen Ausgleich zu würdigen und als Beispiel hinzustellen. Diese Bemühungen fanden große Unterstützung bei allen Anwesenden.
    In seiner Laudatio wies Martin Bachstein auch darauf hin, dass beide Völker grundsätzlich seit der neuen Ostpolitik Willy Brandts in den 70er Jahren in ihren Beziehungen „neben Rückschlägen doch insgesamt eine stetige Aufwärtsentwicklung verzeichnen“ konnten, dass aber zugleich noch immer viel Platz für Fortschritte vorhanden sei. Die Tschechische Republik beziehungsweise ihre Vorgängerin habe zwar nach 1945 keine deutschen Gebiete annektiert; sie habe aber als Reaktion auf die Zerstörung ihres Staates durch das Münch-ner Abkommen und auf die Okkupation durch Hitler-Deutschland mehr als zweieinhalb Millionen Deutsche auf teilweise grausame Art des Landes verwiesen und diesen Menschen die Heimat genommen. Zu den ersten Vertriebenen zählten schon 1938/1939 einige Tausend sudetendeutsche Sozialdemokraten, die für sich und ihren Familien vor allem in Skandinavien, Großbritannien und Kanada eine neue Heimat suchen mussten. Der Laudator erwähnte auch die besondere Rolle der mährisch-deutschen Abgeordneten und Funktionäre in der Geschichte der Sozialdemokratie, die als Austromarxisten den nationalen Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen oft weniger intensiv als die Bewohner Nordböhmens wahrnahmen und auch entsprechend politisch reagierten. Er meinte sogar, dass das Verhalten der Mehrheit der heutigen Brünner Gemeindevertretung und des Preisträgers der „besseren Tradition“ Mährens im deutsch-tschechi-schen Verhältnis entspreche.

    Die Preisübergabe (v.l.): Oberbürgermeister Petr Vokrál, Volkmar Halbleib, SPD-MdL, Dr. Helmut Eikam und Albrecht Schläger, SG-Bundesvorsitzende
    Die Preisübergabe (v.l.): Oberbürgermeister Petr Vokrál, Volkmar Halbleib, SPD-MdL, Dr. Helmut Eikam und Albrecht Schläger, SG-Bundesvorsitzende

    Bachstein dankte dem Stadtoberhaupt für das im vergangenen Jahr innerhalb weniger Wochen erstellte Jahresprogramm anlässlich der 70. Wiederkehr des Kriegsendes, das ausdrücklich die Auflage enthielt, „aller Opfer des Krieges und damit auch den Opfern der Vertreibung der Deutschen aus der Stadt“ zu gedenken. Und er dankte auch für die vor einem Jahr verabschiedete Erklärung der Stadtverwaltung und des Primators, die inhaltlich zum ersten Mal über die Entschuldigung Vacláv Havels von 1990 hinausreichte und die politische Verantwortung für die Ereignisse des Jahres 1945 übernahm sowie eine Bitte um Vergebung enthielt. Primator Vokrál habe sei-nerzeit „einen beispiellosen und einmaligen Akt politischer Reife und hoher Erinnerungskultur erbracht“, welcher das Motto der Ersten Republik vom Sieg der Wahrheit wieder einmal bestätigt habe.
    In seiner Dankesrede erinnerte Oberbürgermeister Vokrál daran, dass erst die schrecklichen Ereignisse vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg die im Grunde genommen insgesamt ausgeglichenen Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen schweren Belastungen ausgesetzt hätten. Begleitet vom starken Beifall der Anwesenden sprach der Preisträger von einer gemeinsamen Zukunft voller Toleranz und Verständnis. Die bedeutsame Rede des Brünner Primators ist nachstehend im Wortlaut wiedergegeben.

    Martin K. Bachstein


  • Böhmerwaldfahrt der SG München (09.–12.06.2016)

    Eine Linde für Wenzel Jaksch

    Die Jahresfahrten der Münchner SG-Gruppe erfreuen sich seit langer Zeit regen Zuspruchs aus allen Teilen Deutschlands. Nach dem Ausflug 2015 nach Reichenberg, der auch zum Geburtsort Josef Seligers führte und bei dem im Garten des Begegnungszentrums des Verbandes der Deutschen unter tatkräftiger Hilfe des stellvertretenden Bürgermeisters von Reichenberg eine Birnen-Quitte (Foto) gepflanzt wurde, die nach neuesten Informationen gut gedeiht, lenkte die Gruppe ihr diesjähriges Reiseinteresse vom 09. bis 12. Juni in den Böhmerwald. Waldemar Deischl und Peter Wesselowsky planten die viertägige Reise zu wichtigen Stätten des Böhmerwaldes, man könnte sie ihrer beeindruckenden Schönheit wegen auch Perlen nennen, die ihren Angelpunkt in Budweis suchte.
    Prachatitz wurde besucht, bevor die Gruppe mit über 30 Teilnehmern im Hotel Budweis Quartier aufschlug. Eine junge Einheimische führte durch die Stadt und öffnete die Augen für die noch gut erhaltene Stadtanlage. Im Galopp wurde am folgenden Tag Tabor mit seinem Hussitenmuseum durchquert. Man begegnete dem tschechischen Geschichtsbewusstsein mit dem Verbrennungsopfer Jan Hus, den Schlachten-Diarahmen über die Hussitenkriege, einem Gemälde und persönlichen Gegenständen von František Palacký, aber auch der eigentümlichen Turmuhr von Tabor mit nur einem Zeiger und einem umlaufenden 24-Stunden-Ziffernblatt. Dann ging es weiter nach Wittingau, eine tschechisch geprägte Stadt mit ihrer Teich-Welt, aus der die besten Karpfen Tschechiens kommen sollen. Zurück in Budweis, wo der Bahnhof noch Habsburgisches Flair vermittelt, die Nähe Österreichs spürbar ist und in den Kneipen noch fast selbstverständlich auch deutsch gesprochen wird, bereitete sich die Gruppe auf den kommenden Tag vor.
    20160609_sg_boehmerwald_1Am Samstag ging es dann nach Langstrobnitz, dem Geburtsort von Wenzel Jaksch. Zur Einstimmung erklang die Stimme des sudetendeutschen Sozialdemokraten – Aufnahmen aus den Tagen in Prag und Wiesbaden; seine bisher unveröffentlichten, Torso gebliebenen Lebenserinnerungen wurden gelesen. In Krummau stießen etwa zehn Heimatverbliebene unter der Leitung von Emma Marx, der Vorsitzenden des Böhmerwaldvereins, zur Münchner Gruppe. Über Strobnitz, wo Jaksch bis zum Frühjahr 1910 zur Schule ging, kaum acht Jahre lernen durfte, wo noch heute ein großes Schulgebäude (škola) von 1929 bei damals wenigen tschechischen Kindern von einer eher verfehlten Minderheitenpolitik zeugt, bogen wir ins enge Tal von Langstrobnitz ein. Am Standort des Jaksch-Hauses breitet sich heute eine Wiese aus, steht ein Hochspannungsmast. An der alten Brücke warteten die Vertreter der Gemeinde auf uns. Das Grundstück an der Straße vor dem Bächlein Strobnitz war gemäht, die Sträucher waren geschnitten, um einem neuen Baum Licht und Luft zu lassen. In einer kurzen Ansprache würdigte Peter Wesselowsky Wenzel Jaksch. Dann verlas Waldemar Deischl die Worte der SG-Ehrenvorsitzenden. Olga Sippl schrieb unter anderem: Lieber Freund Wenzel Jaksch, möge dieses Bäumchen, das wir, Deine Heimat- und Gesinnungsfreunde, zum Gedenken an Dich pflanzen, mit seinen Wurzeln aus der Heimaterde jene Kraft schöpfen, die Dich geprägt hatte. Möge es grünen und Stürmen widerstehen. Wir danken Ihnen, verehrte Verantwortliche der Politik, liebe Bürgerinnen und Bürger, dass Sie uns dies ermöglichen! Sie dokumentieren damit, dass Frieden und Zusammenarbeit zwar von der sogenannten Großen Politik beschlossen und verkündet wird, die Verwirklichung ist aber nur er-folgreich, wenn wir, das Volk, dies tun. So sind wir Ihnen und Euch, obwohl wir uns erst heute begegnen, in Freundschaft an der Arbeit für den Frieden auch in Zukunft verbunden!

    Waldemar Deischl, Emma Marx, Peter Wesselowsky, Hana Valentová und František Venecek, Fotos: U. Miksch
    Waldemar Deischl, Emma Marx, Peter Wesselowsky, Hana Valentová und František Venecek, Fotos: U. Miksch

    Die beiden Gemeindevertreter, der Vizebürgermeister von Dlouhá Stropnice František Vanecek und die Gemeinderätin Hana Valentová, ergriffen ihrerseits das Wort und verlasen faktisch in tschechischer Sprache unsere Würdigung der Person Wenzel Jakschs. Dann ging es ans Einpflanzen der in einem Topf wartenden Linde. Deutsche und Tschechen ergriffen die Schaufel, und bald war der Baum gesetzt. Es ging einem schon nahe, dass Wenzel Jaksch, der sein Elternhaus immer mit sich trug in Erinnerung oder als Foto und der nach seiner Flucht im März 1939 nie mehr wieder böhmischen Boden betreten durfte, 50 Jahre nach seinem Tode symbolisch in dieser würdigen Feierstunde zurückgekehrt ist.
    Einige hundert Meter in Richtung österreichische Grenze warteten auf der Terrasse der von der Gemeinde betriebenen Kegelbahn gegrillte Wurst, Bier, Gebäck und Kaffee auf die Teilnehmer/innen. Emma Marx und die Ortsvorsteherin von Horní Stropnice, das heute nur noch 50 Einwohner zählt, haben unseren herzlichen Dank verdient für ihre Arbeit zum Gelingen der Baumpflanzung. An der Wallfahrtskirche Maria Trost in Brünnl, die eine heilige Wasserquelle fasst und seit 2015 wieder in renoviertem Glanz erstrahlt, die Wenzel Jaksch immer sah, wenn er hinter seinem Elternhaus in die Landschaft schaute, trennten sich unsere Wege. Wir fuhren zurück nach Krummau, 2015 UNESCO-Weltkulturerbe, um die heimatverbliebenen Teilnehmer/innen zurückzubringen, aber auch, um einen schönen Spaziergang von der Höhe bis zur Moldauschleife zu ma-chen – durch Garten, Schloss und Stadt.

    An der Stelle des Strommastes stand das Geburtshaus von Wenzel Jaksch, Foto: Thomas Oellermann
    An der Stelle des Strommastes stand das Geburtshaus von Wenzel Jaksch, Foto: Thomas Oellermann

    Die Rückfahrt am nächsten Tag ließ die Gruppe noch einiges Sehenswertes streifen: Die Zisterzienser-Abtei Hohenfurth, an der Moldau gelegen, die früher einen ausgedehnten kirchlichen Einfluss auch auf die Strobnitzer Kirche ausübte, ließ die Besucher staunen; die Fahrt an der Moldau entlang veranlasste Peter Wesselowsky, Smetanas Moldau aufzulegen; das Durchfahren der Ferienkolonien am Lipno-Stausee; das Geburtshaus von Adalbert Stifter in Oberplan; der Abstecher in das kleine Städtchen Winterberg zum letzten Mittagessen nach böhmischer Art. Der Böhmerwald, dessen Lied nicht nur einmal aus vielen Kehlen im Bus erklang, hat den Teilnehmern neben der politisch einmaligen Baumpflanzaktion zum Gedenken an Wenzel Jaksch auch die Perlen erkennen lassen, die in dieser Landschaft am Dreiländereck zu finden sind.

    Ulrich Miksch


  • Vortragsveranstaltung beim Sudetendeutschen Tag in Nürnberg (14.05.2016)

    Unter dem Motto „Die deutsch-tschechischen Beziehungen – Gestern – heute – morgen“ stand unsere diesjährige Vortragsveranstaltung, für die Volkmar Halbleib, SPD-MdL und vertriebenenpolitischer Sprecher der BayernSPD-Landtagsfraktion, als Redner gewonnen werden konnte. Albrecht Schläger, Ko-Vorsitzender der SG, begrüßte unter den zahlreichen Gästen Christa Naaß, Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates, Peter Barton, Vertreter des SL-Büros in Prag, Hanna Zakhari, Preisträgerin des vorjährigen Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreises, und Dr. Peter Becher, Geschäftsführer des Adalbert-Stifter-Vereins, um nur einige zu nennen.
    In seiner Einführungsrede wies Dr. Helmut Eikam, Ko-Vorsitzender der SG, auf das Wirken der DSAP in der Ersten Tschechoslowakischen Republik hin. Der mutige Appell von Wenzel Jaksch “Mitbürger! Es geht um alles!“ habe die Sudetendeutschen bereits im September 1938 vor der Kriegsgefahr durch Hitler und dem Irrweg der Henlein-Partei gewarnt. Er erinnerte an die Verfolgung der Sozialdemokraten durch die Nationalsozialisten und die Vertreibung aus der Heimat. Die 1951 gegründete SG als Treugemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten verabschiedete 1998 die Brannenburger Thesen, die die „Bereitschaft zu einer selbstkritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte und das Verständnis für die Empfindlichkeit der anderen Seite“ einfordern.
    Volkmar Halbleib wies auf die schwierigen deutsch-tschechischen Beziehungen hin, die vor allem von 1948 bis 1968 eine Zeit der Nichtbeziehungen waren. „Die politische Last der Jahre 1938 bis 1946, angefangen mit dem diktatorischen Münchner Abkommen, der Abtrennung des Sudetenlandes, die Besetzung der Tschechoslowakei, die Gewaltherrschaft durch deutsche Truppen, den Blutzoll des Zweiten Weltkrieges, die Gewalt gegenüber den Deutschen nach der Kapitulation und die massenhaften Vertreibungen, Enteignungen, Ausbürgerungen der deutschen Bevölkerung aus dem tschechischen Staatsgebiet prägten das gegenseitige Verhältnis.“ Die sudetendeutsche Seite habe die eigene Schuld verdrängt, die tschechische Seite sei blind für das Leiden durch die Vertreibung gewesen und habe die Kollektivschuld-Strafe vertreten.

    Albrecht Schläger, Peter Kögler, Otto Kögler Foto: Renate Slawik
    Albrecht Schläger, Peter Kögler, Otto Kögler
    Foto: Renate Slawik

    Die Jahre von 1968 bis 1989 seien durch den Prager Frühling und die Samtene Revolution geprägt gewesen. Die Niederschlagung des Prager Frühlings sei ein wichtiger Wendepunkt gewesen, in dessen Folge von tschechischer Seite die Vertreibung der Deutschen kritischer beurteilt worden sei. Mit dem Deutsch-Tschechischen Nachbarschaftsvertrag von 1972 und der Deutsch-Tschechischen Erklärung 1997 wurde das nachbarschaftliche Verhältnis weiter verbessert und die Grundlagen für die Aufarbeitung der Vergangenheit gelegt. Die deutsch-tschechischen Beziehungen seien heute so gut wie nie zuvor. Eine unbestreitbare Vorreiterrolle für die Verbesserung des Verhältnisses habe die bayerische SPD eingenommen. Ohne die regelmäßigen Besuche seit Anfang der 90-er Jahre von politischen Persönlichkeiten der SPD wären die Reisen des bayerischen Ministerpräsidenten 2010, 2011 und 2014 so nicht möglich gewesen. Die von der CSU 2009 noch strikt abgelehnte Bayerische Vertretung in Prag werde heute als Schaufenster Bayerns gefeiert. Dennoch bleibe in der Zukunft noch viel zu tun: Der gesellschaftliche und der politische Dialog müssen verbreitert, die Verkehrsinfrastruktur könne auf bayerischer Seite verbessert werden; Bürgerkontakte und Partnerschaften seien zu intensivieren und insbesondere Schulpartnerschaften und Jugendbegegnungen zu fördern.

    Albrecht Schläger, Volkmar Halbleib, Dr. Helmut Eikam
    Albrecht Schläger, Volkmar Halbleib, Dr. Helmut Eikam

    Halbleib forderte, dass die Herausforderungen der Geschichte für eine gemeinsame Zukunft angenommen werden müssten. Dazu gehöre die kritische Auseinandersetzung der Sudetendeutschen und der Tschechen mit der jeweils eigenen Geschichte. Er bat beide Seiten, das Motto des diesjährigen Sudetendeutschen Tages Dialog verpflichtet ernst zu nehmen. Und „die ganz schweren Brocken aus der wechselseitig leidvollen gemeinsamen Geschichte zur Seite zu räumen. Er sei zuversichtlich, dass „dies noch in einer Zeit gelingt, in der die Erlebnisgeneration die Wiedergutmachung in den Seelen noch erfahren kann.“ Seinen interessanten Ausführungen, für die er viel Applaus erntete, schloss sich eine lebhafte Diskussion an.

    Waldemar Deischl


  • Ausstellung gegen das Vergessen in Cheb/Eger (02.05.–03.06.2016)

    „Tausende Sozialdemokraten mussten während der NS-Herrschaft ins Exil fliehen oder wurden im KZ ermordet. Angesichts bisweilen undifferenzierter öffentlicher Diskussionen über Widerstand, Flucht und Vertreibung ist die Erinnerung an sie auch heute, 71 Jahre nach Kriegsende, wertvoll und wichtig“, so Albrecht Schläger. Eindringlich geschieht dies in der zweisprachigen Ausstellung Die sudetendeutschen Sozialdemokraten – Von der DSAP zur Seliger-Gemeinde (SG) über Flucht und Vertreibung, aber auch über Aussöhnung und Zusammenhalt. 40 Tafeln dokumentieren in Wort und Bild den Werdegang der 1919 gegründeten Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiter-Partei (DSAP), aus der1939 in Zeiten der NS-Diktatur die Treuegemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten im Exil und 1951 die SG entstand.
    In seinem Rathaus begrüßte Oberbürgermeister Petr Navrátil am 02. Mai die Gäste zur Eröffnung der Ausstellung. Der Ko-Bundesvorsitzende der SG, Albrecht Schläger, erinnerte an die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in der Josef Seliger das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen im neuen tschechoslowakischen Staat eingefordert habe. Die Ausstellung zeige die Höhen und Tiefen in der Ersten Tschechoslowakischen Republik von 1918 bis 1939. Interessant sei der Kampf unter den Parteivorsitzenden Dr. Ludwig Czech und Wenzel Jaksch gegen den aufkommenden Nationalsozialismus gewesen. Albrecht Schläger: „Wenzel Jaksch warnte wiederholt mit eindringlichen Worten im Prager Rundfunk und in schriftlichen und mündlichen Aufrufen vor Hitler. Aber die Menschen waren verblendet und wählten 1935 mit großer Mehrheit die Partei Henleins, den Wegbereiter der Nationalsozialisten.“ Von den 80.000 Mitgliedern der DSAP kamen 10.000 in Konzentrationslager oder flohen ins Exil.
    Nach dem Krieg teilten die sudetendeutschen Sozialdemokraten das Schicksal ihrer drei Millionen Landsleute. Sie bauten vor allem in Bayern das zerstörte Land mit auf und hatten einen hohen Anteil an dem von der Welt bestaunten Wirtschaftswunder. Einer der bekanntesten Vertreter war Volkmar Gabert, unter dessen Führung die SPD in Bayern ihre größten Erfolge erreichte: zum Beispiel 36 Prozent bei der Landtagswahl 1966.

    Petr Navrátil, Albrecht Schläger, Dr. Birgit Seelbinder, Miroslav Nenutil, stv. Landrat Roland Schöffel
    Petr Navrátil, Albrecht Schläger, Dr. Birgit Seelbinder, Miroslav Nenutil, stv. Landrat Roland Schöffel

    Albrecht Schläger hob in seinem Vortrag vor allem die drei tschechischen Ministerpräsidenten Jirí Paroubek, Petr Necas und Bohuslav Sobotka hervor, die die Vertreibung bedauerten.
    Bemerkens- und lobenswert bezeichnete Dr. Birgit Seelbinder, Präsidentin der Euregio Egrensis, die Ausstellung. Noch vor fünf Jahren wäre das nicht denkbar gewesen. Senator Miroslav Nenutil dankte der SG für die Erarbeitung der Ausstellung. Die sudetendeutschen Sozialdemokraten hätten eine lange Tradition, die es zu erhalten gelte und die in der SG weiterlebe. Albrecht Schläger bedankte sich bei Oberbürgermeister Petr Navrátil und Stadtrat Michal Pospíšil, die die Ausstellung möglich gemacht haben.

    Manfred Häcker (Text und Foto)


  • Frühjahrsseminar (15.–17.04.2016)

    Das Frühjahrsseminar der SG, das wieder im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum in Bad Alexandersbad stattfand, widmete sich ganz dem Gedenken an den letzten Vorsitzenden der DSAP in der Ersten Tschechoslowakischen Republik und ersten Vorsitzenden der SG Wenzel Jaksch, der vor 50 Jahren durch einen tragischen Autounfall starb. Die SG hat das Jahr 2016 und die verschiedensten Aktivitäten unter das Motto „Wenzel Jaksch – Sudetendeutscher und Europäer“ gestellt, die Herkunft und Wirkung von Jaksch für unsere Tage deutlich machen sollen.

    Teilnehmer/innen vor dem ehemaligen Verlagshaus Foto: Renate Slawik
    Teilnehmer/innen vor dem ehemaligen Verlagshaus
    Foto: Renate Slawik

    Einstieg ins Progamm bot ein Vortrag über sein Leben, der gewürzt war mit seltenen Tondomenten aus den 30-er Jahren, aufgezeichnet von Radio Prag und aus den 50-er und 60-er Jahren, in denen seine Stimme erschall, darunter die Bundestagsrede zum Jaksch-Bericht von 1961, der eine erste Zäsur für eine friedliche Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik nach Osteuropa bedeutete, oder seine Intervention zur Spiegel-Affäre. Aber auch seine Rede bei der großen Demonstration des BdV in Bonn im Mai 1966, ein Interview zu seinem Leben anlässlich des 70. Geburtstages und schließlich die Trauerrede Willy Brandts am Grab, die als Tonbandaufnahme noch bei der Familie Jaksch schlummerte. Der Sohn George Jaksch, der dieses seltene Dokument beisteuerte, war beim Seminar dabei und konnte auch Erläuterungen geben zu der vor fünf Jahren durchgeführten Nachwanderung der Flucht Wenzel Jakschs vom März 1939, geschildert von ihm 1960 im SG-Sudeten-Jahrbuch unter dem Titel Abschied von Böhmen: Seine beiden Kinder hatten sich mit Freunden im Mai 2011 auf die Spuren dieser Flucht über die Beskiden nach Polen begeben.
    20160415_fruehjahrseminar_2Unter der kenntnisreichen Leitung von Peter Wesselowsky führte der Weg die Teilnehmer/innen am Samstag nach Komotau, wo uns der Direktor des Regionalmuseums Chomutov Stanislav Ded den denkmalgeschützten Kern der Stadt zeigte, eine Stippvisite im Rathaus bei Oberbürgermeister Daniel Cerný begleitete und schließlich im Museum einige Folianten aus dem Jahre 1921 zeigte. Es waren die zu Büchern gebundenen Zeitungen der damals sozialdemokratischen Volkszeitung, deren Redakteur von 1921 bis 1923 Wenzel Jaksch gewesen war. George Jaksch hatte dabei die Gelegenheit, das erste Mal in diesen Zeitungen zu blättern, die sein Vater gemeinsam mit nur noch einem weiteren Redakteur produziert hatte. Zum Mittagessen, das wohlschmeckende Böhmische Knödel mit Svickova für alle offerierte, ging es in ein Lokal gegenüber vom damaligen Redaktionssitz der Volkszeitung, damals Herrengasse 30. Die Stadt Komotau, die sich redlich bemüht, auch für deutsche Touristen zugänglich zu erscheinen, bot an diesem Samstag mit dem Tag der Offenen Türen auch für die Seminarteilnehmer die seltene Gelegenheit, verschiedenste Einrichtungen, so auch den Städtischen Turm zu besteigen, kostenfrei zu besuchen. Die Rückfahrt wurde zur Kammfahrt auf der böhmischen Seite des Erzgebirges genutzt. Und so kam die Gruppe auch nach Gottesgab, wo schleunigst ein Besuch des Grabes von Anton Günther improvisiert wurde. Mit einer am Vorabend von Renate Slawik aus dem Gedächtnis niedergeschriebenen und vervielfältigten Textversion des Feierabend-Liedes von Anton Günther wurde dem sudetendeutschen Komponisten und Sänger ein Ständchen dargebracht.
    Zurück in Bad Alexandersbad gab es nach dem Abendessen eine Premiere. Aus der achtteiligen tschechischen Fernsehserie Das Tschechische Jahrhundert wurde der Teil mit dem Titel Kugeln für Heydrich vorgeführt. Die tschechischen Untertitel des Films wurden durch Thomas Oellermann ins Deutsche übersetzt und zusätzlich unter den laufenden Film projiziert, der sich mit den Londoner Jahren von Benesch beschäf-tigte und in dem dreimal Wenzel Jaksch auftaucht, von einem deutschen Schauspieler verkörpert. Fazit der Seminarteilnehmer/innen: Benesch wurde doch sehr kritisch gezeigt, Wenzel Jaksch kam erstaunlich gut weg.
    Am folgenden Sonntagvormittag gab es zwei weitere interessante Vorträge. Tim Schmidt, der aus einer karpatendeutschen Familie aus der Zips stammt, berichtete aus seiner rechtswissenschaftlichen Doktorarbeit, die einen klaren historischen Hintergrund hat, und zwar über ethnische Probleme im Vergleich zwischen Belgien und der Tschechoslowakischen Republik in der Zeit zwischen 1918 und 1938. Eine nicht konstruierte Verwandtschaft der Probleme, denn die Belgier kämpften bei der Industrialisierung auch mit einströmenden Minderheiten: In Cisleithanien drangen viele Tschechen in die deutschen Siedlungsgebiete, in Wallonien, dem industriellen Kernland damals, kamen viele Flamen. Nur spielten sich diese gleichartigen Prozesse in Belgien viel langsamer ab als in der Habsburger Monarchie. So schaute Belgien immer nach Böhmen, Mähren und Schlesien, um Beispiele der Bewältigung zu sammeln, sich zu orientieren.
    Zu guter Letzt berichtete Helena Pässler, SG-Präsidiumsmitglied und in Wiesbaden lebend und arbeitend, über Stationen des Lebens und das Wirken von Wenzel Jaksch in Hessen. Sie dokumentierte fotografisch ehemalige Wirkungsorte, aber auch die heutige Wenzel-Jaksch-Straße, in der sein letztes Heim, ein Haus in einer sudetendeutschen Neubausiedlung, steht. Sein Grab auf dem Waldfriedhof Wiesbaden Dotzheim bildete den Schlusspunkt der interessanten Fotoschau.

    Ulrich Miksch


  • Wochenendseminar in Oberfranken (1.–3.04.2016)

    Am ersten April-Wochenende traf sich eine Gruppe Interessierter im Hotel Haus Silberbach bei Selb. Der Tagungsort der bayerisch-tschechischen Sozialakademie und der evangelischen Familienerholungsstätte war bewusst gewählt, weil die Einrichtung sich mit ihren Angeboten über Ländergrenzen hinweg an eine breite Zielgruppe richtet. Das Drei-Tage-Seminar unter dem Motto „Als Fremde im tschechischen Haus oder Gemeinsames Haus Böhmen? Zur Stellung der Deutschböhmen in Europa in Vergangenheit und Gegenwart“ war Teil des Projekts der SG Bayern „Nicht spurlos aus der Geschichte verschwinden. Zeitzeugnisse von Deutschböhmen in Wort und Schrift“, das aus Mitteln des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds bezuschusst wurde.
    Der Historiker Dr. Karl Schubsky eröffnete die Vorträge mit seinem Beitrag über „Chancen des Internets zur Pflege der Erinnerung – Grenzen und Möglichkeiten“. Er stellte die geschlossene Facebook-Gruppe „Böhmen – Mähren – Schlesien“ vor, die nach drei Jahren etwa 1.700 Gruppenmitglieder hat. Durch diese Gruppe wurde die Ortsgruppe der Deutschen in Eger wiederbelebt und nimmt seither die Vertretung in der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien aktiv wahr.
    Dr. Anna Habánová aus Liberec/Reichenberg berichtete über abgeschlossene Projekte wie z. B. „Mladí lvi v kleci (Junge Löwen im Käfig)“ und ihr aktuelles Projekt „Kunst der Deutschböhmen in Sibirien (Na sibir!)“.
    Über „Aktuelle Entwicklungen in der Vertriebenenpolitik am Beispiel des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds“ referierte Albrecht Schläger, Ko-Bundesvorsitzender der SG. Die Stiftung mit Sitz in Prag könne jährlich etwa 3,5 Mio. Euro für 600 bis700 Projekte ausgeben. Wichtige Einzelprojekte seien die Unterstützung der Zwangsarbeiter aus Tschechien im Dritten Reich und der deutschen Zwangsarbeiter in Tschechien nach 1945, das Festival Mitte Europa, der deutsch-tschechische Kindergarten in Schirnding oder die deutsch-tschechische Fußballschule gewesen, um nur einige zu nennen. Neuerdings würden auch berufsbildende Maßnahmen im Bereich des Tourismus gefördert.
    20160401_sg_seminar
    Das Modul „Musik als Teil des Erbes der Deutschböhmen“ gestaltete Peter Heidler mit seinen Ausführungen über die Entstehung der Polka. Herbert Schmid sprach über das Projekt „Memory of Nations“, das von POST BELLUM in Prag koordiniert werde. Die Sammlung der Zeitzeugeninterviews werde online archiviert, der tschechische Rundfunk stelle die Technologie zur Verfügung. Die Zukunft des
    historisch-politischen Lernens unter dem Thema „Weitergabe des kulturellen Gedächtnisses an nachwachsende Generationen“ wurde erörtert.
    In einem zweiten spontanen Beitrag von Albrecht Schläger über den deutsch-tschechischen Kulturraum spielte der Referent mit der widersprüchlichen Formulierung Grenze verbindet. Er selbst verstehe sich immer mehr als Zeitzeuge historischer Entwicklungen, die vor 30 Jahren nicht denkbar gewesen wären. Ausgehend vom Brünner Nationalitätenprogramm von 1899 sei es ein weiter, beschwerlicher Weg bis zum heutigen Stand der Beziehungen gewesen.


  • Auszeichnung für Olga Sippl im Bayerischen Landtag (11.03.2016)

    Bei einem Treffen mit der SPD-Landtagsfraktion in München hat Tschechiens Premierminister Bohuslav Sobotka die sudetendeutsche Sozialdemokratin und Ehrenvorsitzende der Seliger-Gemeinde, Olga Sippl, ausgezeichnet. Er überreichte ihr als Anerkennung für ihr beharrliches Engagement für die Annäherung zwischen Tschechen und Deutschen die Karel-Kramar-Medaille. Sobotka sagte, er bewundere Sippl als „Brückenbauerin“ und überreiche ihr die Medaille in „höchster Anerkennung“. Die Auszeichnung ist nach dem ersten tschechoslowakischen Ministerpräsidenten Karel Kramár benannt.
    Olga Sippl dankte dem Ministerpräsidenten für die Ehre. Die 95-Jährige, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Tschechien nach München kam, bezeichnete ihre Heimat als „Herzland Europas“. Ihr politisches Ziel sei immer gewesen, den „Gedanken der guten Nachbarschaft, des Friedens und der Völkerverständigung“ zwischen Tschechien und Bayern zu befördern.
    Der vertriebenenpolitische Sprecher und Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Volkmar Halbleib, sagte: „Wir freuen uns wirklich sehr, dass Bayern und Tschechien heute einander nicht nur in enger politischer Nachbarschaft, sondern in wachsender menschlicher Freundschaft verbunden sind.

    Ko-Bundesvorsitzender SG Albrecht Schläger, Landtagsvizepräsidentin Inge Aures, Olga Sippl, Premierminister Bohuslav Sobotka
    Ko-Bundesvorsitzender SG Albrecht Schläger, Landtagsvizepräsidentin Inge Aures, Olga Sippl, Premierminister Bohuslav Sobotka

    Auch die Sudetendeutschen haben daran einen großen Anteil. Insbesondere wir Sozialdemokraten in Bayern haben uns seit 25 Jahren für ein Ende der langen politischen Eiszeit zwischen den Regierungen in Prag und München eingesetzt.“ Zugleich sprach Halbleib aber auch die unterschiedlichen Positionen Deutschlands und Tschechiens in der Flüchtlingsfrage an: „Die Zukunft der Europäischen Union gibt uns durchaus Anlass zur Sorge. Lassen Sie uns in unserer sozialdemokratischen Familie im Geist der Solidarität offen darüber reden, was zu tun ist. Wir haben ein gemeinsames Ziel: Wir dürfen es nicht zulassen, dass das Europäische Haus geschwächt wird. Ehren wir also Olga Sippl und bleiben wir in Europa solidarisch beieinander!“
    Landtagsvizepräsidentin Inge Aures betonte: „Es macht uns stolz, Olga Sippl in unseren sozialdemokratischen Reihen zu haben.“ Aures bezeichnete die Auszeichnung als „historisches Ereignis“.

    Aus: Pressedienst SPD-Landtagsfraktion


  • Tag des Selbstbestimmungsrechts, Bayrischer Landtag (05.03.2016)

    Am 05. März fand in Zusammenarbeit der Kreisgruppen München der Sudetendeutschen Landsmannschaft und des Bundes der Vertriebenen sowie der Landsmannschaft Oberschlesien die Veranstaltung im Bayerischen Landtag mit nahezu 300 Teilnehmern statt. Die Schirmherrschaft übernahmen in Vertretung des Bayerischen Landtags die Vertriebenensprecher der CSU-Landtagsfraktion Bernhard Seidenath, MdL, und der SPD-Landtagsfraktion Volkmar Halbleib, MdL. Grußworte überbrachten die beiden Vertreter des Bayerischen Landtags sowie Otto Seidel für die Stadt München und Bernd Posselt für die Sudetendeutsche Landsmannschaft.
    Die Festrede wurde von Professor Dr. Manfred Kittel gehalten. Er sprach sowohl die von Josef Seliger und den Gewerkschaften in Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien initiierten Demonstrationen vom 04.März 1919 – dem Tag des Zusammentritts des neu gegründeten österreichischen Parlamentes, an dem auch die Sudetendeutschen eigentlich teilhaben wollten – an, die dann in zahlreichen Städten von tschechischem Militär blutig niedergeschlagen wurden, als auch die Volksabstimmung im März 1921 in Oberschlesien. 56 Tote und viele Verletzte waren die Folge des staatlichen Terrors in der in Gründung befindlichen Tschechoslowakei. Und in Oberschlesien hatte zwar eine große Mehrheit bei der Volksabstimmung für den Verbleib bei Deutschland gestimmt, trotzdem wurde der größte Teil Oberschlesiens dem neuen Polen zugeschlagen. Anlass waren die Alliierten, so insbesondere Frankreich und Großbritannien, während die USA dem Wilson‘schen Prinzip deutlicher verhaftet blieben. In der Weise beschrieb Kittel die Ambivalenz von Volksabstimmungen und die nur sehr relative Wirksamkeit des Selbstbestimmungsrechtes. Nicht neue Grenzziehungen könnten und sollten die Folge solcher Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes sein, wie das gewöhnlich bezweckt war bis in den Balkankonflikt der 1990er-Jahre hinein, sondern die Kohabitation unterschiedlicher Volksgruppen in ein und demselben Staat, mit kultureller, die Identität wahrender Autonomie einer jeden Bevölkerungsgruppe. Das alte Österreich-Ungarn sei ein gutes Beispiel dafür gewesen, und das neue Europa versuche, dem Beispiel zu folgen.
    Für die musikalische Umrahmung sorgte in gekonnter Weise die Gartenberger Bunker Blasmusik aus Geretsried unter der Leitung von Roland Hammerschmied. Unter den Gästen befanden sich die beiden Vorsitzenden Helmut Eikam und Albrecht Schläger sowie viele Mitglieder der Seliger-Gemeinde.

    Helmut Eikam