Sudetendeutscher Rat eröffnet neue Ausstellung (Sudetendeutsche Zeitung 11.05.2018)

So geht Verständigung – dorozumení

Am Samstag eröffnete die neue Ausstellung „So geht Verständigung – dorozumení“ des Sudetendeutschen Rates (SR) im Kuppelsaal der Bayerischen Staatskanzlei in München.

Am vergangenen Samstag eröffnete die neue Ausstellung „So geht Verständigung –dorozumení“ des Sudetendeutschen Rates im Kuppelsaal der Bayerischen Staatskanzlei in München mit Christa Naaß, Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates, Volksgruppensprecher Bernd Posselt, Dr. Christoph Israng, Deutscher Botschafter in Prag, Maja Konstantinovic von Antikomplex, Bayerns Europaminister Georg Eisenreich, Steffen Hörtler, Stellvertretender SL-Bundesvorsitzender und Bayerns SL-Landesobmann, Albrecht Schläger, Ko-Vorsitzender der Seliger-Gemeinde, Dr. Hans-Diether Dörfler von der Agentur Birke & Partner, sowie Konsulin Lydie Holinková vom Generalkonsulat der Tschechischen Republik in München. Am kommenden Sonntag wird Bernd Posselt die Ausstellung um 11.00 Uhr im Augsburger Rathaus eröffnen.
Bild: Nadira Hurnaus

Die Ausstellung über das Schicksal der Sudetendeutschen, so Bayerns neuer Europaminister Georg Eisenreich in seiner Jungfernrede vor der Volksgruppe, mache ihn betroffen, löse aber auch Zuversicht und Dankbarkeit aus. Dankbar sei er Bayerns Viertem Stamm, „der mit uns Geschichte geschrieben hat“. Sie dokumentiere das Leid von Millionen von Menschen. Diese Erinnerungskultur sei die Voraussetzung für die Zukunftsgestaltung und sende die Botschaft aus, daß Vertreibungen Unrecht waren, sind und bleiben.

Die Geschichte der Sudetendeutschen sei eine Erfolgsgeschichte. Sie hätten mit ihrem Fleiß und Können das Heute maßgeblich mitgestaltet. Er danke für die Aufbauleistung. Ein sichtbares Zeichen von Bayerns Schirmherrschaft über die Volksgruppe setze der Freistaat mit dem Bau des Sudetendeutschen Museums.

Dank des Brückenbaus der Sudetendeutschen, ihrer Verständigungs- und Versöhnungsbereitschaft lebe man heute in guter Nachbarschaft mit der Tschechischen Republik. „Das liegt nicht nur am wirtschaftlichen Erfolg. Uns vereint das Eintreten für Frieden und Freiheit, für Gerechtigkeit und Völkerverständigung.“ Der Blick in die Vergangenheit und der Blick in die Gegenwart zeige, daß diese Werte nicht selbstverständlich seien.

Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, Renate Slawik, Geschäftsführerin der Seliger-Gemeinde, sowie Elfriede und Sponsor Dr. Otto Reigl.
Bilder: Nadira Hurnaus

Volksgruppensprecher Bernd Possselt betonte, er sei dankbar, daß die Ausstellung „im Regierungssitz unseres Stammes“ eröffne. Hier habe 2012 anläßlich 50 Jahre Schirmherrschaft Bayerns ein Festakt stattgefunden. Initiator sei Ministerpräsident Wilhelm Högner von der SPD gewesen, ausgeführt habe sie Ministerpräsident Hans Ehard von der CSU. Die Schirmherrschaft sei also von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen. Edmund Stoiber habe sie gar als Bestandteil bayerischer Staatsraison bezeichnet. Daß der Europaminister bei der Ausstellungseröffnung gesprochen habe, sei schlüssig. Immerhin habe die Volksgruppe nicht nur den Porsche erfunden, sondern auch Europa.

Reinfried Vogler, Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung, und Heimatpflegerin Dr. Zuzana Finger.

Die Ausstellung zeige Perspektiven für die Zukunft. Nicht Wunden pflegen und sich in der Vergangenheit verkrallen, sei das Motiv, sondern die Zukunft gestalten. Der Vierte Stamm Bayerns biete dank seiner Kenntnis der Tschechen, der eigenen Geschichte und der eigenen Fehler die einmalige Chance, Brücke zu sein ohne Heuchelei und Schlußstrich. Mit der Forderung „Nie wieder!“ seien die Sudetendeutschen Vorkämpfer eines geeinten Europas.

Hans Jürgen Gartner, diesjähriger Kulturpreisträger, und Dr. Michael Henker, Leiter des Planungsstabes für das Sudetendeutsche Museum in München.

Posselt dankte dem Sudetendeutschen Rat, den Ausstellungsmachern, vor allem aber Generalsekretärin Christa Naaß, „ die unvorstellbares geleistet hat“. Die Ausstellung nähre die Hoffnung auf eine bessere europäische Zukunft, schloß er.

Die Ausstellung dokumentiert auch die wachsende Freundschaft.

Christa Naaß schilderte den Werdegang der Ausstellung vom ersten Beschluß des SR-Präsidiums im Januar 2016 bis zur Eröffnung. Für die Ausstellung sei die Agentur Birke & Partner beauftragt worden. Zur Finanzierung begetragen hätten der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds – „Dafür war ein tschechischer Partner notwendig, den wir in Antikomplex fanden“ –, das Bundesinnenministerium, die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, das bayerische Sozial- und Schirmherrschaftsministerium über das Haus des Deutschen Ostens und nicht zuletzt Otto Reigl, der verdiente Landsmann aus dem Egerland.

Bild einer Ausstellung: Geburtsort der Europa-Idee ist Ronsperg im Kreis Bischofteinitz, wo der Gründer der Paneuropa-Bewegung, Graf Richard Coudenhove- Kalergi, zur Welt kam.

„Mit der Ausstellung dokumentieren wir das heutige Selbstverständnis der Sudetendeutschen als Bindeglied zwischen den Völkern Mitteleuropas“, sagte Naaß und erklärte „unsere fünf Vs“: Schwerpunkte seien Verständigung, Verbinden, Vertreiben, Vermitteln und Versöhnen. Dabei gehe es um das jahrhundertelange Zusammenleben von Tschechen und Deutschen im Herzen Europas, um die Auseinanderentwicklung im 19. und 20. Jahrhundert, den Anschluß des Sudetenlandes an das Deutsche Reich, die nationalsozialistische Besetzung des tschechischen Reststaates, die Vertreibung der Deutschen, die Organisation der Heimatvertriebenen, ihre Aufbauleistung, ihre Integration und deren heutige Verständigungs- und Versöhnungsarbeit.
Anschließend führte Hans-Diether Dörfler von Birke & Partner durch die Ausstellung im Vestibül der Staatskanzlei. Die dreisprachige Ausstellung mit interaktiven Elementen und mehrstufigen Vertiefungsmöglichkeiten zieren auch Bilder aus den Beständen der Sudetendeutschen Zeitung.

Titel, Sudetendeutsche Zeitung, Folge 19, 11.05.2018
Bericht, Sudetendeutsche Zeitung, Folge 19, 11.05.2018

Nadira Hurnaus