Seliger-Gemeinde – Sozialdemokratie braucht Visionen (Sudetendeutsche Zeitung 09.11.2018)

Die beiden Bundesvorsitzenden der Seliger-Gemeinde, Albrecht Schläger und Helmut Eikam, zogen nach der intensiven Diskussion im Forum Bad Alexandersbad im Rahmen ihrer Jahrestagung ein deutliches Resümee:

Die Soziale Frage des 19. Jahrhunderts ist in allen europäischen Ländern gelöst. Aus der unterdrückten Arbeiterklasse konnte sich eine breite, wirtschaftlich gut gestellte Mittelschicht entwickeln. Inwieweit die Soziademokratie als politische Antwort auf die Probleme des 21. Jahrhunderts auch Antworten auf die Herausforderungen bereithält, wird über ihre Zukunft entscheiden.
Die Festlegung der Sozialdemokratie auf die alten gesellschaftlichen Milieus paßt nicht mehr in unsere heutige Zeit mit ihrer starken Individualisierung und Diversität. Die Verlierer der neoliberalen (kapitalistischen) Entwicklung fühlten sich betrogen, sowohl kulturell als auch sozial und ökonomisch abgehängt. Die großen Probleme der Zeit verlangen nach sozialdemokratischen Antworten, denn nur eine Politik der Gleichheit, der sozial verantwortlichen Gestaltung von Staat, Wirtschaft und der Lebensbedingung der Menschen kann verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.
Heute geht es um die realisierbaren Strategien der Gleichheit, die Kontrolle wirtschaftlicher Macht, die Erneuerung und transnationalen Erweiterungen der Demokratie, die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, die sozialen und demokratischen Gestaltungen der digitalen Revolution, die Modernisierung des Sozialstaats und die Revitalisierung der zivilgesellschaftlichen Grundlagen von Solidarität und einer humanen Lebenskultur. Zu alledem bedarf es des zielstrebigen Aufbaus einer fairen und kooperativen Weltgesellschaft.
Die große Dynamik in der technischen Entwicklung, die wirtschaftlichen Herausforderungen der Globalisierung, neue Lebens- und Zukunftsentwürfe der Menschen – all das schafft neue Ängste. Neoliberale Versprechungen und nationalistische Bestrebungen werden Armut, Klimaänderung, Ölund Wasserknappheit, deren negative Folgen jenseits unserer Vorstellungskraft liegen, nicht stoppen. Nur die Sozialdemokratie kann den großen Aufgaben des 21. Jahrhunderts politisch, sozial und human gerecht werden.
Die Sozialdemokratie muß eigene Zukunftsentwürfe erarbeiten und entsprechend kommunizieren. Am Ende des wirtschaftsliberalen, industriellen und materiellen Zeitalters brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Solidarität, nicht weniger, sondern mehr Gerechtigkeit und nicht weniger, sondern mehr Brüderlichkeit.“
Die beiden (Ko-) Bundesvorsitzenden der Seliger-Gemeinde, Albrecht Schläger und Helmut Eikam, zeigten sich überzeugt: „Nur wenn die Sozialdemokratie mehr Freiheit und Solidarität, mehr Gerechtigkeit und Frieden schafft, stehen wir vor einem neuen sozialdemokratischen Zeitalter. Dazu braucht die Sozialdemokratie ein Feuerwerk der Themen und Ideen – dann hat sie auch eine goldene Zukunft.“