Politische Ziele

Die Politischen Ziele der Seliger-Gemeinde

1.

Die Seliger-Gemeinde betrachtet es als ihre Aufgabe, das Verhältnis der Deutschen und besonders der Sudetendeutschen zu den tschechischen Nachbarn zu verbessern. Sie ist dabei geleitet von der Überzeugung, dass die Vertreibung nicht nur eine Sanktion war für das politische Fehlverhalten der nationalistischen Henlein-Bewegung seit dem Jahre 1935 sowie der NSDAP und ihrer Gliederungen ab 1938. Vertrieben wurden nicht nur die Mitglieder und Sympathisanten dieser Organisationen, sondern die Vertreibung betraf auch Antifaschisten, Christlichsoziale, zurückgekehrte Emigranten und sogar befreite KZ-Insassen. Daher ist die Vertreibung eine genuine ethnische Säuberung und sollte den tschechischen Nachbarn und anderen Interessierten in diesem Sinne dargestellt werden.

Deshalb muss die Versöhnungspolitik zwischen Sudetendeutschen und Tschechen, so wie sie schon in der Ersten Tschechoslowakischen Republik durch die DSAP politisch vertreten wurde, aktiviert und fortgesetzt werden.

2.

Ein anderes Anliegen der Seliger-Gemeinde ist die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte im Sinne der Herstellung der historischen Wahrheit als Grundlage des Umgangs miteinander mit dem Ziel einer Objektivierung der Betrachtungsweise betreffend die historischen Entwicklungen zwischen Tschechen und Sudetendeutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien im 19. und 20. Jahrhundert.

3.

In ihrem Verhältnis zur Sudetendeutschen Landsmannschaft und deren Betrachtungsweise der Geschichte der Ersten Tschechoslowakischen Republik vertritt die Seliger-Gemeinde die Richtigstellung und Versachlichung der historischen Geschehensabläufe unter besonderer Betonung der Politik der aktivistischen Parteien und insbesondere der DSAP mit ihrer auf Versöhnung und Kooperation ausgerichteten Politik gegenüber der tschechischen Bevölkerungsmehrheit und deren politischen Vertretern.

Jede Bemühung um die Erarbeitung eines Gesamtkontextes betreffend die Entwicklung in der Ersten Tschechoslowakischen Republik sollte die seit Ende der zwanziger Jahre zunehmende politische Polarisierung Europas, insbesondere die zunehmende nationale Radikalisierung in Mitteleuropa, berücksichtigen. Die relative Erfolglosigkeit der aktivistischen Parteien auf dem Sektor der Nationalitätenpolitik in der Tschechoslowakei war u.a. bedingt durch den relativen Erfolg der hitlerschen Politik im benachbarten Deutschen Reich und deren Rückwirkung auf die tschechische Gesellschaft.