Lebensläufe

Lebensläufe

Josef Seliger

17.02.1870 Schönborn – 18.10.1920 Teplitz

Textilverarbeiter; in jungen Jahren Anschluss an die Arbeiterbewegung Böhmens, 1884 Redakteur der Teplitzer Volksstimme. Sein unermüdliches Engagement in der Arbeiterbewegung machte ihn bald zum Führer der deutschen Sozialdemokratie Böhmens; 1907 und 1911 Wahl in den österreichischen Reichsrat; nach dem 1. Weltkrieg stellvertretender Landeshauptmann in der deutschböhmischen Landesregierung; nach der Einverleibung der deutschen Gebiete Böhmen, Mähren und Schlesien in die Tschechoslowakische Republik und Gründung der sudetendeutschen Sozialdemokratie Vorsitzender der 1919 in Teplitz entstandenen DSAP, 1920 Mitglied der Tschechoslowakischen Nationalversammlung. In Anerkennung seiner Verdienste um die Sozialdemokratie und seiner Bemühungen um die Aussöhnung der verschiedenen Volksgruppen in seiner Heimat trägt unsere Gemeinschaft seinen Namen. Sie bewahrt sein geistiges Erbe und entwickelt es weiter.

Dr. Ludwig Czech

14.02.1870 Lemberg – 19.08.1942 KZ Theresienstadt

Zunächst Redakteur beim Volksfreund in Brünn, nach Studium in Wien Rechtsanwalt in Brünn, Vorsitzender der mährischen Landesorganisation der altösterreichischen Sozialdemokratie, 1919 stellvertretender Vorsitzender der DSAP, 1920 als Nachfolger des verstorbenen Josef Seliger zum Vorsitzenden gewählt; in diesem Amt bis Frühjahr 1938. Seit 1920 Abgeordneter in Prag, von 1929 bis 1938 nacheinander Tschechsoslowakischer Minister für Soziale Fürsorge, Öffentliche Arbeiten und für Gesundheit. Dr. Czech verweigerte sich der Emigration und blieb in Brünn. Er wurde Anfang des Jahres 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er nach fünf Monaten Haft verstarb.

Dr. h.c. Wenzel Jaksch

26.09.1896 Langstrobnitz – 27.11.1966 Wiesbaden

Maurer; aktiv in der Arbeiterjugendbewegung und der Sozialdemokratie Österreichs; 1920 Verbandsfunktionär in Teplitz-Schönau; Redakteur beim Sozialdemokrat in Prag; Wahlen: 1924 in den Parteivorstand der DSAP, 1929 in das Prager Parlament, 1938 zum Vorsitzenden der DSAP. 1939 Emigration über Polen und Schweden nach England; Kampf gegen die Austreibungspolitik der tschechoslowakischen Exilregierung. Nach seiner Übersiedlung 1949 in die Bundesrepublik Leiter des Landesamtes für Vertriebene in Hessen; ab 1951 bis zu seinem Tode Vorsitzender der Seliger-Gemeinde, ab 1953 Mitglied des deutschen Bundestages (MdB), seit 1959 Vorsitzender der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft, ab 1964 Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV).

Ernst Paul

27.04.1897 Steinsdorf bei Tetschen-Bodenbach – 11.06.1978 Gallspach, Oberösterreich

Schriftsetzer; 1919 bis 1926 Vorsitzender des Sozialistischen Jugendverbandes, 1924 bis 1935 Leiter der Zentralstelle für das Bildungswesen der DSAP, Mitarbeiter des Parteiorgans Sozialdemokrat in Prag und Vorsitzender des paramilitärischen Verbandes der DSAP, Republikanische Wehr. Seit Frühjahr 1939 in der Emigration in Schweden und dort Leiter der Treuegemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten. Nach der Übersiedlung in die Bundesrepublik 1949 bis 1951 Chefredakteur der Allgemeine Zeitung in Stuttgart, von 1949 bis 1969 Mitglied des deutschen Bundestages (MdB), 1951 Mitgründer der Seliger-Gemeinde, deren Bundesvorsitzender von 1966 bis 1971.

Adolf Hasenöhrl

15.10.1911 Chumo, Böhmerwald – 09.02.1989 Stuttgart

Kaufmann im Genossenschaftswesen; seit 1929 Mitglied der DSAP, 1938/39 im KZ Dachau, Militärdienst, nach Kriegsende im Staatsdienst, Leiter der Hauptabteilung für Vertriebene im Innenministerium von Baden-Württemberg. 1951 Mitgründer der Seliger-Gemeinde, 1964/67 Landtagsabgeordneter, 1958 bis 1988 Vorsitzender des Böhmerwaldbundes, außerdem leitende Funktionen im BdV und in der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Herausgeber von mehreren Büchern zur Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie. Bundesvorsitzender der Seliger-Gemeinde von 1971 bis 1986.

Volkmar Gabert

11.03.1923 Dreihunken – 19.02.2003 Unterhaching

Eisenflechter, aus sozialdemokratischer Familie stammend, bereits als Kind Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sportverbandes und der Roten Falken, 1938 bis 1945 im Exil in Großbritannien, im Exilvorstand der Treuegemeinschaft, nach 1945 in Bayern, 1950 bis 1958 Landesvorsitzender der Jungsozialisten, 1950 bis 1979 Vorsitzender der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, 1963 bis 1972 Landesvorsitzender der bayrischen SPD und Mitglied des Parteivorstandes, 1979 bis 1984 Abgeordneter im Europaparlament (MdE), 1998 bis 2003 Mitglied im Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, 1951 Mitgründer der Seliger-Gemeinde, Bundesvorsitzender von 1986 bis 2003.

Dr. Martin Bachstein

geb. 30.11.1937 in Werdau

Journalist und Historiker, nach Jugend und Studium in den Vereinigten Staaten langjährige leitende Tätigkeit im Medienbereich. Seit 1975 Mitglied der Seliger-Gemeinde. 2003 bis 2004 deren Bundesvorsitzender zusammen mit Dr. Peter Becher.

Dr. Peter Becher

geb. 03.11.1952 in München

Studium der Germanistik und Geschichte, Promotion 1981 mit einer Arbeit über das Ende der Donaumonarchie. Tätigkeit in der Jugendarbeit, beim Bayerischen Rundfunk und beim Goethe-Institut. Seit 1986 Geschäftsführer des Adalbert Stifter Vereins. Mitglied der SPD, des tschechischen PEN und des Beirats für das deutsch-tschechische Gesprächsforum. Seit 1991 Mitglied der Seliger-Gemeinde; 2003 bis 2005 Bundesvorsitzender zusammen mit Dr. Martin Bachstein.

Dr. Helmut Eikam

geb. 24.02.1943 in Eger

Mit den Eltern im Zug der Vertreibung im Juni 1946 nach Schrobenhausen gekommen. Besuch der Volksschule und des Gymnasiums, 1963 Abitur. Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten München und Mainz. Beide juristische Staatsprüfungen in Bayern: 1968 und 1971. Rechtsreferendariat beim Landgericht Augsburg und der Regierung von Schwaben. Seit 1972 Rechtsanwalt in Ingolstadt und Schrobenhausen. Promotion zum Doktor der Rechte an der Universität Mainz über ein verfassungsrechtliches Thema. Mitglied des Stadtrats der Stadt Schrobenhausen und Kreistags des Landkreises Neuburg/Donau-Schrobenhausen seit 1972. Zweiter Bürgermeister der Stadt Schrobenhausen von 1984 bis 1996. Seit 1991 Mitglied der Seliger-Gemeinde, seit 2005 deren Bundesvorsitzender zusammen mit Albrecht Schläger.

Albrecht Schläger

geb. 04.09.1942 in Marktredwitz

Dipl.Ing. (FH), Mitglied des Stadtrats in Hohenberg a.d. Eger und des Kreistags Wunsiedel im Fichtelgebirge, von 1984 bis 1996 Erster Bürgermeister der Stadt Hohenberg an der Eger, 1990 bis 2003 Mitglied der SPD-Fraktion im bayrischen Landtag, seit 2003 Mitglied im Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und dort ab 2006 deutscher Ko-Vorsitzender, BdV-Vizepräsident, Generalsekretär des Sudetendeutschen Rates. Seit 1998 Mitglied der Seliger-Gemeinde, seit 2005 deren Bundesvorsitzender zusammen mit Dr. Helmut Eikam.