In Brünn am Rande des Versöhnungsmarsches (Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 25.09.2020)

Werbung für Josef Seliger

Die Seliger-Gemeinde gedachte beim Abschlußfest des Brünner Versöhnungsmarsches ihres ersten DSAP-Vorsitzenden Josef Seliger.

Bereits zum vierten Mal war die Gesinnungsgemeinschaft der sudetendeutschen Sozialdemokraten mit einem Ausstellungsstand in Brünn vertreten. Dabei sollte es besonders um Persönlichkeiten aus Geschichte und Gegenwart gehen, die es geschafft hätten, aus der Reihe zu tanzen oder etwas Besonderes zu tun, erklärten die Organisatoren. Aber auch der Rückblick auf den anderen Weg, der Inhalt des Versöhnungsmarsches, sollte gewürdigt werden.

Wer, wenn nicht Josef Seliger, dessen 150. Geburts- und 100. Todestags wir 2020 gedenken, war das zentrale Thema der Präsentation, die aus einer eigenen kleinen Seliger-Ausstellung bestand. Thematisch zugehörige Tafeln der Ausstellung „Von der DSAP zur Seliger-Gemeinde“ ergänzten sie. Josef Seliger sei die Persönlichkeit unserer Geschichte, die es geschafft habe, „aus der Reihe zu tanzen, etwas Besonderes zu machen“, so Ausstellungsbetreuer Rainer Pasta.

Informationszelt der Seliger-Gemeinde in Brünn …

Seliger stand am Ende des Ersten Weltkrieges an der Spitze der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei. Er vermochte dem Einsatz seiner Partei ein sittliches Pathos zu verleihen, das aus ihrem Kampf gegen ein autoritäres Regime herrührte. In diesem Kampf bezog sie Stellung für Freiheit, Selbstbestimmungsrecht, allgemeines Wahlrecht, die Gleichberechtigung der Minderheiten mit den Mehrheiten, also ein Minderheitenschutzrecht, und gegen unvernünftigen Nationalismus eingetreten war. Aber auch der „Rückblick auf den anderen Weg“ sei bei Josef Seliger zu finden, weiß Pasta. So trat Seliger nach der Gründung der Tschechoslowakei zuerst für einen Anschluß des Sudetenlandes an Österreich ein. Als dieser am militärischen Widerstand der Prager Zentralgewalt scheiterte, plädierte er für eine weitgehende Autonomie des Sudetenlandes und konzentrierte seine Aktivitäten auf den neuen tschechoslowakischen Staat.

… im Inneren Detaillierte Informationen über Josef Seliger (1870–1920).

Auch der diesjährige Versöhnungsmarsch war ein besonderes Erlebnis und eine Möglichkeit zu vielleicht unwiederbringlichen Begegnungen. An dieser Aktion beteiligen sich Dutzende Zeitzeugen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus der Tschechischen Republik, aus Österreich und Deutschland. Die auf dem Gebiet der deutsch-tschechischen und österreichisch-tschechischen Beziehungen arbeitenden Organisationen präsentierten sich mit Ständen – darunter die Sudetendeutsche Landsmannschaft, die Ackermann-Gemeinde, die Seliger-Gemeinde und die Konrad- Adenauer-Stiftung.

Auch für 2021 sind wieder alle eingeladen, denen Versöhnung, Toleranz und Abbau von Vorurteilen wichtig sind und die in einer grenzüberschreitenden Begegnung zur Verständigung zwischen unseren Nachbarländern beitragen möchten. Grundlage ist die partnerschaftliche Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte mit Freundschaft und Versöhnung zwischen Sudetendeutschen und Tschechen im Geiste der europäischen Einigung als Ziel. Die Seliger Gemeinde wird auch im nächsten Jahr wieder dabei sein.

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 25.09.2020