Erinnerung an Richard Reitzner (31.05.2017)

Seliger-Gemeinde zu Gast bei der Sudetendeutschen Landsmannschaft

An Richard Reitzner, einen unermüdlichen Kämpfer für die Belange der Vertriebenen, erinnerte der Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde e.V. Albrecht Schläger bei einer Veranstaltung der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Gasthaus Aschenberger.
Reitzner, 1893 in Einsiedel bei Marienbad geboren, nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und schloss sich 1920 der Arbeiterbewegung an. Im „Dritten Reich“ kamen über 20 000 sudetendeutsche Sozialdemokraten in Zuchthäuser und Konzentrationslager. Reitzner hatte im Herbst 1938 mit seiner Familie noch nach Großbritannien auswandern können, wo er mit Wenzel Jaksch und Ernst Paul eine Emigrantengruppe leitete. 1946 kehrte er nach München zurück, trat in die SPD ein, wurde für kurze Zeit stellvertretender Landesvorsitzender und 1947 stellvertretender Staatssekretär für das Flüchtlingswesen in Bayern.

Von Anfang an arbeitete er mit Hans Schütz von der Ackermann-Gemeinde und Walter Becher vom Witiko-Bund in verschiedenen Gremien der Flüchtlingsverwaltung zusammen. Für die erste Vertriebenen-Zeitung, die noch heute existierende „Brücke“, schuf er die finanziellen und personellen Grundlagen. Bei der Gründungsversammlung der Seliger-Gemeinde 1951 wurde Wenzel Jaksch zum Bundesvorsitzenden gewählt und Richard Reitzner übernahm den geschäftsführenden Vorsitz, den er bis zu seinem Tode 1962 innehatte.

Austausch in Passau (v.l.): SL-Kreisgruppenvorsitzender Peter Pontz,
Vorstandsmitglied der Seliger-Gemeinde Niederbayern-Oberpfalz Karin
Hagendorn, MdL Bernhard Roos, Vorsitzende Helga Heller, Mitglied Helmut
Zahradnik, Referent Albrecht Schläger, die Vorstandsmitglieder Horst
Jorde und Erwin Haslberger .

Schläger führte an, dass die Vertriebenen einen großen Anteil am modernen Bayern hätten. Viele Firmen wurden nach 1945 gegründet, sudetendeutsche Sozialdemokratengründeten SPD-Ortsvereine. In der Diskussion schilderte MdL Bernhard Roos seine familiären Verbindungen zu Österreich, Ungarn und Tschechien und betonte, dass Migration eine existenzielle Bedeutung für ihn habe, er sich aber voll und ganz als Niederbayer fühle. Vorsitzende Helga Heller hob Reitzners Einsatz für das Fremdrentengesetz heraus, mit dem Vertriebene für im Ausland geleistete Tätigkeiten entschädigt werden konnten. Unter den Gästen war auch Vorstandsmitglied Karin Hagendorn von der neugegründeten Regionalgruppe Niederbayern-Oberpfalz der Seliger-Gemeinde.

Foto und Text: Passauer Neuen Presse, 31.05.2017