Dachau erinnert 72 Jahre nach dem 2. Weltkrieg an die Befreiung des KZ (30.04.2017)

Politiker und Zeitzeugen warnen vor dem wieder erstarkten Rechtsradikalismus und Rassismus

Im Konzentrationslager Dachau und seinen zahlreichen Außenlagern waren zwischen 1933 und 1945 über 200 000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. Am 29. April 1945 wurde das Konzentrationslager Dachau von den US-Truppen befreit. Für 41 500 Menschen kam die Befreiung zu spät. Sie wurden ermordet.
Am 30. April 2017 erinnerten sich zahlreiche Gäste aus der ganzen Welt, auch Mitglieder der Lagergemeinschaft und Überlebende des KZ Dachau und ihre Angehörigen an den Tag der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers vor 72 Jahren. Auch die Mitglieder der Seliger Gemeinde, Christine Haschek und Georg Wechselberger von der SG Dachau sowie Peter Heidler, Landesvorsitzender der SG Bayern und seine Frau Renate, nahmen an den Feierlichkeiten teil und legten vor dem internationalen Mahnmal einen Kranz mit roten Nelken nieder.


vorne v.l. Peter Heidler, Landesvorsitzender der SG Bayern, Georg Wechselberger von der SG Dachau, dahinter v.l. Christine Haschek von der SG Dachau, Renate Heidler, SG Hof (Foto: Renate Slawik)

Noch gibt es Zeitzeugen, doch es werden immer weniger. Einer fehlte besonders: Max Mannheimer. Er verstarb im September 2016 im Alter von 96 Jahren. Doch auf dem ehemaligen Gelände des Krematoriums ist das ehemalige Mitglied der Seliger Gemeinde präsent. Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) betonte, dass Mannheimer für Dachau ein wertvoller Berater in der Gedenk- und Erinnerungsarbeit war. Mahner und Versöhner in ein einer Person. Dachau sei zum Lern-und Erinnerungsort geworden und ginge offen mit der Geschichte der KZ-Vergangenheit um. Doch Rassismus und Antisemitismus wären wieder auf dem Vormarsch. „Menschlichkeit, Freiheit und Solidarität sind Werte die nicht selbstverständlich sind. Sie müssten von jeder Generation immer wieder neu errungen werden“, so Hartmann.

v.l. Peter Heidler, Landesvorsitzender der SG Bayern, Christine Haschek und Georg Wechselberger von der SG Dachau legten nach der Gedenkveranstaltung zum 72. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau am internationalen Mahnmal einen Kranz nieder. (Foto: Christine Roth)

Ernst Grube, Holocaust-Überlebender der nach dem Tod von Max Mannheimer den Vorsitz der Lagergemeinschaft Dachau übernommen hat, protestierte gegen die menschenunwürdige Abschiebungspolitik, gegen Ausgrenzung, Militarismus, Terror und Krieg. Grube kritisierte, dass der durch die Verfassung garantierte Schutz zunehmend aufgekündigt werde und forderte auf, den im Grundgesetz stehenden Artikel eins: „Menschenrechte gelten für alle Menschen“ zu beherzigen.
Neben der Erinnerung an die Befreiung des KZ-Dachau beschäftigten sich dieses Jahr alle Redner der Gedenkveranstaltung stärker als sonst mit den aktuellen politischen Ereignissen in Deutschland. Sie warnten vor aggressivem Nationalismus und vor den Entwicklungen am rechten Rand. Der Zeitzeuge und Todesmarsch-Überlebende Abba Naor (89), Vizepräsident des Comité International de Dachau (CID) hielt vor dem Todesmarschmahnmal an der Theodor-Heuss-Straße eine Rede. Er fragte sich, was er noch alles sagen soll – 72 Jahre danach. „Es ist schon so vieles gesagt worden“, erklärte er resigniert, „und doch ist der Antisemitismus wieder salonfähig geworden“. Daran habe er nie geglaubt.
Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, mahnte zur Bereitschaft aus der Vergangenheit zu lernen.

„Vergesst nicht die Toten und vergesst nicht die Ursachen des Mordens“.

Bericht und Fotos: Christine Roth