Befreiungsfeier in der Gedenkstätte Dachau (29.04.2018)

Mehr als 100 Kränze vor dem internationalen Mahnmal der KZ Gedenkstätte Dachau.

Mit Ansprachen und Kranzniederlegungen erinnerte Dachau vor Gästen aus ganz Europa an die Befreiung des KZ vor 73 Jahren. Politiker und Zeitzeugen mahnten vor Antisemitismus, Ausgrenzung und Gewalt. Sie wiesen darauf hin, dass die Andenken an die vielen Opfer des NS-Regimes gewahrt werden müsse. Auch eine Abordnung der Seliger Gemeinde legte einen Kranz mit roten Nelken nieder.
Die US-Armee befreite am 29. April 1945 das Konzentrationslager Dachau in dem Menschen gedemütigt, gefoltert und 43 000 ermordet wurden. Abba Naor ist einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, die von der Befreiung des KZ Dachau und seiner Außenlager im April 1945 erzählen können. Er erinnert sich mit Freude an die Befreiung, aber er sagte: „Die Trauer war groß, weil wir wussten dass viele nicht überlebt haben“.

Zu Beginn der zentralen Gedenkveranstaltung vor dem ehemaligen Krematorium übergab Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) an Schülerinnen und Schüler des Josef Effner Gymnasium symbolisch weiße Rosen. Damit erinnerte er an die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Es gäbe immer noch zu viele Menschen die nicht akzeptieren wollen, dass Deutschland ein vielfältiges Land sei, in dem Personen mit unterschiedlichen Nationalitäten gut miteinander leben könnten. Hartmann stellte klar, dass die entscheidende Frage nicht sei, was hätte ich damals getan, sondern was kann ich heute tun gegen Ausgrenzung, Unterdrückung, Hass, Rassismus Antisemitismus und Nationalismus. Neben dem Blick zurück sollten wir stets auf das Hier und Heute schauen. „Wir haben immer eine Wahl“. Sie wäre zwar risikoloser als zu Zeiten des Nazi Herrschaft, aber nicht selbstverständlich.

Christine Haschek und Georg Weichselberger legten am internationalen Mahnmal den Kranz für die Seliger Gemeinde nieder. Begleitet wurden sie von Hans-Joachim Otte, Wera Aßmann (hinten) und Christine Roth.

Ernst Grube, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau und Holocaust-Überlebender protestierte mit deutlichen Worten gegen den Abbau von Demokratie und Freiheitsrechten. Mit großer Sorge erfülle ihn und die Mitglieder der Lagergemeinschaft, dass die bayrische Staatsregierung eine Neufassung des bayerischen Polizeiaufgabengesetzes plane um der Polizei vermehrt geheimdienstliche Kompetenzen zu übertragen. Es sei eine der wichtigsten Lehren aus dem Nationalsozialismus, Geheimdienste und Polizei zu trennen. Er forderte auf, den im Grundgesetzt stehenden Artikel eins: „Menschenrechte gelten für alle Menschen“ zu beherzigen.
Neben der Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes ermahnten die Redner der Gedenkveranstaltung dazu, die aktuellen extrem rechten Tendenzen zu bekämpfen. Unter ihnen Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann und Bayerns Kultusminister Bernd Sibler. General Jean-Michel Thomas, Präsident des Internationalen Dachau-Komitees, sieht in dem radikalen Islamismus eine ernste Gefahr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, forderte die Menschen in Deutschland auf, sich im Alltag gegen Antisemitismus zu engagieren. Auf den Punkt brachten es die beiden jungen freiwilligen Dienstleistenden der Gedenkstätte Dachau. Jugendliche würden Antworten erwarten auf aktuelle politische Fragen, aber auch wie damals alles angefangen hat. Es wäre beeindruckend, wie viele junge Menschen ihre Erfahrungen von diesem Ort in sozialen Netzwerken teilen, und wie viele selber dabei ein Zeichen setzten wollen für Offenheit und Akzeptanz. Zudem wäre es wichtig, dass die Erinnerungen an die Opfer des NS-Regimes weitergegeben würden. Kein Bild und kein Buch könne so viel erzählen wie die Geschichten der Zeitzeugen.

Foto und Text: Christine Roth