Ausstellungseröffnung im Hofer Museum (12.04.2017)

Von der Partei zur „Gemeinde“

„Flucht und Vertreibung“ ist seit fünf Jahren ein Hauptthema im Hofer Museum. Aktuell ist dazu eine Sonderschau über sudetendeutsche Sozialdemokraten zu sehen.
Zur Eröffnung der Sonderschau über sudentendeutsche Sozialdemokraten im Museum Bayerisches Vogtland in Hof hat der in Hohenberg an der Eger lebende frühere Landtagsabgeordnete Albrecht Schlager gesprochen. Seit 2005 ist er Bundesvorsitzender der Seliger-Gemeinde. Dabei handelt es sich um die 1951 gegründete Nachfolge-Organisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) in der Tschechoslowakischen Republik. Die Partei existierte von 1919 bis 1938, Josef Seiger war bis zu seinem frühen Tod 1920 ihr erster Vorsitzender, nach ihm ist die „Gemeinde“ benannt.

Albrecht Schlager, Bundesvorsitzender der Seliger-Gemeinde, im Gespräch mit Katrin Chrunsc, die in Schirnding den deutsch tschechischen Kindergarten „Fuchsbau“ leitet

Die Ausstellung im Museum, die bereits seit 2014 auf Tour ist und von einem zweisprachigen Katalog begleitet wird, zeichnet den Weg von der DSAP zur Seliger-Gemeinde auf Schautafeln umfassend nach. Einen riesigen Erfolg verzeichnete die Partei der sudetendeutschen Sozial-demokratie bereits bei den Erstwahlen des tschechoslowakischen Parlaments im April 1920. Sie errang 44 Prozent der deutschen Stimmen und war mit diesem Anteil die stärkste sozial-demokratische Partei der Welt.
1929 trat sie in die Regierung ein, ihr damaliger Vorsitzender Dr. Czech wurde Fürsorgeminister. Die DSAP wollte Gleichberechtigung der Deutschen im „Kunststaatgebilde Tschechoslowakei“, dessen Gründung die Siegermächte des Ersten Weltkriegs beschlossen hatten. Eindringlich warnte die Partei vor der Politik der Nationalsozialisten, die im September 1938 zum gewaltsamen Anschluss des Sudetenlandes ans Deutsche Reich führte und ein friedliches Miteinander der Volksgruppen im Lande unmöglich machte.
Die DSAP wurde aufgelöst, mehr als 10.000 ihrer 80.000 Mitglieder wurden verhaftet, viele in Konzentrationslagern ermordet. Nach dem Krieg folgte die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei; über drei Millionen Menschen waren betroffen. Die Seliger Gemeinde setzt sich nun für die Verständigung zwischen Sudetendeutschen und Tschechen und für eine verantwortungsbewusste sozialdemokratische Politik in der Mitte Europas ein.
Auch in Hof gibt es eine Ortsgruppe der Seliger Gemeinde, die 2016 ihr 60-jähriges Bestehen feierte.
Die Ausstellung läuft bis 25 Juni – Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr.

Text und Foto: Frankenpost